Stadtratsfraktion

GRÜNE/future! MD

Rede: Aktuelle Debatte zum Thema "Dürre und Niedrigwasser in Magdeburg" 27.08.2026

27.08.26 –


Madeleine Linke: Hitze, Gesundheit und Wirtschaft

Bundeskanzler Merz sagte am vergangenen Wochenende bei einem Besuch des von einem Waldbrand betroffenen Ortes: „Deutschland müsse häufiger mit Großschadenereignissen rechnen. Das sei Klimawandel.“ Die Kabinettsklausur der Bundesregierung beschäftigt sich diese Woche daher ebenfalls mit den Themen Trockenheit, Waldbrandgefahr und Folgen des Klimawandels. Wir greifen mit unserer aktuellen Debatte hier im Magdeburger Stadtrat also ein Thema auf, das Deutschland zurzeit auf allen politischen Ebenen beschäftigt. Zum Thema Wasser und Trockenheit wird mein Fraktionskollege Tobias Hartmann gleich noch sprechen. Ich will zunächst noch einmal auf die damit einhergehenden Hitzewellen eingehen.

Die vergangenen Hitzewochen bzw. Hitzemonate, der Hochsommer begann dieses Jahr ja sogar bereits im Mai, sind eine Herausforderung für das Leben und die Gesundheit der Menschen in unserer Stadt. Einem historischen Hitzesommer folgt wenig später der Nächste mit neuen Rekorden.

Am 21. Mai hätten wir als Stadtrat eigentlich über den Hitzeaktionsplan beraten sollen. In den folgenden Mai-Tagen kratzten die Temperaturen dann bereits täglich an der 30-°C-Marke. Ende Juni erreichten wir dann einen historischen Höchststand von 40,1 °C in Magdeburg. Dabei sei bemerkt, dass es sich hier um den Stand der Messstelle handelt, an vielen Orten in der Stadt, gerade an stark versiegelten Flächen und Straßen, wird es noch viel heißer.

Das ist besonders für die Magdeburger*innen, die nicht im Eigenheim am Stadtrand, sondern im urbanen Raum leben, eine enorme Herausforderung. Wer im Altbau beispielsweise in Stadtfeld Ost oder in der Innenstadt lebt, bekommt dann auch Tage später diese Hitze nicht mehr aus der Wohnung. Selbst nachts bleibt das Thermometer damit für viele Wochen lang in der Wohnung bei über 25 °C. Der menschliche Körper kann sich von diesem anhaltenden Hitzestress kaum noch erholen.

Das hat nicht nur erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt und lokale Wirtschaft, sondern gefährdet auch die Gesundheit der Menschen. Nach Schätzung des Robert Koch-Instituts sind im Sommer 2026 (Stand 20. August) knapp 14.000 Menschen in Deutschland vorzeitig an den Folgen der Hitze gestorben. Auch das ist ein neuer trauriger Rekord.

Am 25. Juni berichtete die Volksstimme dann auch über die zunehmenden Belastungen für den Rettungsdienst in unserer Stadt und zitiert: „Das Einsatzaufkommen ist momentan hoch, was sicherlich auch mit den Temperaturen zusammenhängt“, sagt Matthias Boxhorn, Rettungsdienstleiter bei den Johannitern in Magdeburg. [Der ist einigen hier im Raum vielleicht auch bekannt.]

Klimaschutz, Klimaanpassung und schlussendlich Hitzeschutz ist Menschenschutz. Eine Aufgabe, die dieser Stadtrat und diese Stadtverwaltung nicht ernst genug nimmt. Der Hitzeaktionsplan wurde bereits mehrfach verschoben und geht nicht weit genug, um die Herausforderungen, die vor uns liegen, tatsächlich zu bewältigen. Die CDU/FDP-Fraktion möchte ihn mit einem Änderungsantrag sogar noch abschwächen.

Ich habe Ihnen bereits im April erklärt, was im Hitzeaktionsplan als Prognose auf uns, auf Magdeburg, zukommt, als Sie auf Antrag der CDU/FDP die Klimaziele aufgehoben haben. Das war, als Sie, angeführt von der AfD, mit einem beschlossenen Änderungsantrag sogar betonten, dass – Zitat – „Klimaschutz nicht mehr wichtig ist“. Dabei sind die Prognosen eine so deutliche Warnung: 52 °C an einem durchschnittlichen Sommertag um 14 Uhr in der Magdeburger Innenstadt, am Breiten Weg. Nicht irgendwann in der fernen Zukunft, sondern, wenn wir so weitermachen, im Jahr 2045.

Gemessen am Gelächter, mit dem die rechte Seite des Stadtrates darauf reagiert hat, muss ich fragen: Finden es die Stadträt*innen der AfD witzig, wenn tausende Menschen vorzeitig sterben und Oma und Opa es nicht durch den Sommer schaffen? Vielleicht war es aber auch nur eine merkwürdige Form zu erklären, dass Sie die Menschen mit dieser Herausforderung alleine lassen wollen.

Ich wiederhole noch einmal, was ich Ihnen schon im April gesagt habe: Wir brauchen eine stadtentwicklungspolitische Antwort auf diese Herausforderungen. Es ist egal, wie viele Parkplätze Sie an den Breiten Weg klatschen wollen und ob die Stunde Parken 1, 2 oder 5 € kostet. Zum Shoppen wird niemand mehr auf diesem Glutofen flanieren wollen. Über eine attraktive Innenstadt müssen wir uns dann nicht mehr unterhalten, sondern eher über eine lebensfähige Stadt.

Wir brauchen eine Diskussion über Lösungen für den Hitzeschutz. Für die Menschen, für unsere lokale Wirtschaft und für unsere Zukunft. Darum bitte ich Sie, lassen Sie uns zeitnah über den Hitzeaktionsplan abstimmen und in ihm Maßnahmen verankern, die der Herausforderung gerecht werden.


Tobias Hartmann: Dürre, Wasser und Stadtgrün

Nicht selten geht mit der Hitze auch die Dürre einher. In den letzten Jahren hat es in Magdeburg deutlich zu selten geregnet. In diesem Jahr hatten wir glücklicherweise etwas mehr Regen als in den Vorjahren, sodass wir aktuell weniger stark von Waldbränden betroffen sind als andere Teile Deutschlands. Dennoch hat Magdeburg ganz eigene Herausforderungen.

Im Zeitraum von 2011 bis 2019 hat die Stadt 71.000 Bäume verloren. Der Verlust könnte jetzt noch viel größer sein. Auf meine Anfrage hin hieß es letztes Jahr, dass dieses Jahr erneut eine Erfassung stattfindet. [Gibt es dazu eigentlich schon Daten?]

Aktuell geben wir unser Stadtgrün immer noch viel zu leichtfertig her [z. B. Walter-Rathenau-Str.] und schaffen in B-Plänen keinen ausreichenden Ersatz für ein ökologisches und lebenswertes Umfeld. Ob Nachpflanzungen nach einer Fällung tatsächlich stattfinden, wissen wir in den meisten Fällen gar nicht, denn die Stelle, die das eigentlich prüfen soll, ist weiterhin auf der Spar- bzw. Flex-Liste.

Bäume sind eines der besten Werkzeuge, das uns zur Verfügung steht, um den zunehmenden Hitzewellen zu begegnen. Sie spenden nicht nur Schatten und kühlen damit unsere Straßen, Wohnungen, Fußwege oder Spielplätze, sondern machen unsere Stadt auch attraktiver und lebenswerter.

Ein Baum wächst aber nicht von heute auf morgen. Wer in Zukunft vom städtischen Straßenbaumbestand profitieren will, muss sie heute – nein, eigentlich schon gestern – gepflanzt haben. Dafür braucht es die nötigen finanziellen Ressourcen. Stadtgrün ist kein Nice-to-have, keine freiwillige Leistung, sondern eine Investition in den Katastrophenschutz und fördert nebenbei auch eine lebenswerte Stadt.

Der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe ist dafür ein Schlüsselbetrieb. Die Verwaltung hat vor einiger Zeit einen Stufenplan zur finanziellen Ausstattung des Stadtgartenbetriebes ins Gespräch gebracht, der das Stadtgrün stärken soll. Können wir hierzu demnächst mit einer Drucksache rechnen, Frau Borris?

Wer nach dem Stadtgrün fragt, muss in diesen Zeiten aber auch mit Lösungen des Schwammstadt-Modells antworten. Wasser wird mehr und mehr zu einem kostbaren Gut. Der Elbpegel erreichte vor Kurzem einen neuen historischen Tiefststand.

Die Wobau berichtet davon, dass sie nicht nur zunehmend hitzebedingte Schäden an den Gebäuden beseitigen muss, sondern beispielsweise in der Curiesiedlung mit einem absackenden Boden kämpft. Der Lehmgrund ist über die Jahre soweit ausgetrocknet und so schwer nachzuvernässen, dass hier weitere Herausforderungen und Kosten auf uns zukommen.

Die Regentage werden seltener und die einzelnen Niederschlagsereignisse fallen dafür deutlich stärker aus. Wir müssen es schaffen, auch diesen Starkregen zu nutzen und das Wasser vor Ort zu binden. Die Zisternenlösung im Domviertel ist hierfür ein gutes Beispiel. Es geht aber auch um Lösungen im Bestand und nicht nur beim Neubau.

Dafür braucht es u. a. eine Abkopplung des Regenwassers von der Kanalisation und eine Anbindung an lokale Wasserspeicher und Gewässer. Die Kanalisation braucht kein Regenwasser, um den Abfluss zu gewährleisten. Die Anlage funktioniert besser, wenn „die Scheiße“ unverdünnt ankommt.

Die Regenzuleitung in die Gewässer und das Grundwasser muss höchste Priorität haben, um die Souveränität unserer Region und die Verfügbarkeit des Trinkwassers sicherzustellen. Wollen Sie vor diesem Hintergrund wirklich am Bau des Wasserwerks an der Elbe festhalten, das dem Fluss weiteres Wasser entziehen soll, obwohl Intel nicht mal mehr nach Magdeburg kommt, Frau Oberbürgermeisterin?

Es scheint, als hätte Magdeburg noch immer keine klare Wasserstrategie. Deutlich sinnvoller wäre es, „überschüssiges“ Flusswasser, dann, wenn es zur Verfügung steht, zur Anreicherung des Grund- und Trinkwassers zu nutzen, wie es z. B. mit der Ohre in der Colbitz-Letzlinger Heide passiert.

Der Magdeburger Stadtrat und seine Stadtverwaltung müssen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und brauchen eine strategische und entschiedene Antwort auf die Herausforderungen, vor die uns die Hitze- und Dürrezeiten der Klimakrise stellen. Mit der Fachrichtung Wasserwirtschaft an der Hochschule und dem Helmholtz-Institut haben wir hier vor Ort Kompetenzen, die wir nutzen sollten, um innovative, konkrete Projekte anzustoßen, in denen wir Lösungen für Magdeburg als eine der trockensten Regionen Deutschlands finden.

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Elbe | Naturschutz | Reden | Stadtentwicklung | Umwelt