Stadtratsfraktion

GRÜNE/future! MD

Rede Elberadweg am Schleinufer Madeliene Linke

27.04.26 –

Tourist*innen in Magdeburg fragen sich ja bekanntlich gerne mal wo es denn hier zu Innenstadt geht, bzw. wo Sie sich den historischen Stadtkern ansehen können. Das liegt unter anderem daran, dass die Stadtentwicklung in Magdeburg ein paar grausame historische Fehler begangen hat. 

Statt zu pflegen und bewahren, was vom historischen Magdeburg nach dem Krieg der Nazis noch übrig war, hat man sich entschieden auf die historische Stadtmauer im Westen eine Stadtautobahn (den Magdeburger Ring) zu klatschen. Zwischen Ostmauer und Elbuferpromenade wurde eine Schnellstraße gejagt. 

Selbst wenn man Freiraumplaner damit beauftragt hätte diese Orte mit Absicht so unattraktiv wie möglich zu machen, hätten die kaum einen schlimmeren Plan entwerfen können, als das was uns in Magdeburg als Realität begegnet. 

Historische Stadtmauern und Uferpromenaden sind in anderen Städten Highlights für den Tourismus und die Naherholung. Hier floriert eine lebenswerte Alt,- und Innenstadt normalerweise(!) Wer in Magdeburg aber die Stadtgeschichte oder die Elbe sucht findet sich schnell zwischen Abgasen und Verkehrslärm. Unsere Innenstadt dafür zu opfern ist, wie Perlen vor die Säue werfen.

Und da habe ich noch nicht mal über die verschenken Chancen bei der Entwicklung des Elbbahnhofes gesprochen. An dieser Stelle sei auch nochmal die Frage gestattet Frau Oberbürgermeisterin: Wie geht es eigentlich mit der Hubbrücke voran? Wann können wir mit eine Wiederöffnung der Brücke, einem der Highlights Magdeburgs rechnen?

Aber zurück zum Schleinufer. Der Rahmenplan Innenstadt (Den hat die Hälfte des Stadtrates scheinbar schon wieder vergessen) macht sich auch Gedanken darum, wie das Elbufer aufgewertet werden kann. Hier gibt es viele spannende Entwürfe. Wann entwickeln wir die eigentlich mal weiter? Oder soll das Papier an dem sich tausende Magdeburger*innen beteiligt haben zum nächsten teuren Papiertiger werden? 

Der Rahmenplan Innenstadt zeigt aber vor allem eines auf: Das Problem ist nicht das Verhalten von Fußgehenden oder Radfahrenden auf dem engen Weg, sondern die 4-spurige flächenfressende Straße, die wir uns daneben leisten. Wer beim Schleinufer tatsächlich eine gute Lösung für alle Verkehrsteilnehmer will muss an der Straße mindestens eine Spur zurückbauen. Mit der Markierung eines Radstreifens ist es da aber auch nicht getan, der Raum muss mit einer Vision umgestaltet werden. 

Die Sperrung im letzten Jahr hat gezeigt, wie wichtig das Schleinufer bzw. der Elberadweg als innerstädtische Schnellverbindung durch die Stadt für den Radverkehr ist. In den meisten Fällen kommt es hier auch nicht zu Konflikten da Hochzeiten beim Flanieren selten mit dem morgendlichen Pendlerverkehr zusammenfallen.

Der Radweg hat außerdem eine erhebliche touristische Bedeutung. Hier können Radtourist*innen direkt in Magdeburg an der Elbe entlangfahren, vorbei an Hubbrücke, Hyparschale und Dompanorama. Das wird man so einfach durch einen Streifen an der Schnellstraße auch nicht ersetzen können. 

Dieser Radtourismus ist übrigens ein erheblicher Wirtschaftsfaktor, der oft übersehen wird. Im Tourismuskonzept gaben 19% der Besucher*innen an, für den Elberadweg nach Magdeburg zu kommen. Damit folgt der Radtourismus knapp dem Besuch von Sportereignissen. (den Spielen von FCM und SCM mit 24%)

In der Befragung der touristischen Leistungsträger*innen der Stadt gaben 22% an, dass sie das größte Entwicklungspotenzial für den Tourismus in der Stadt beim Elberadweg sehen. 23% der Leistungsträger*innen sprachen sich außerdem für die Stärkung des Urbanen Flairs in der Stadt aus.

Wir brauchen also nicht nur eine Verkehrslösung, sondern eine Vision für die Wiedervereinigung von Innenstadt und Elbe. Oder die es der Rahmenplan Innenstadt nennt: „Innenstadt ans Wasser: das Ufer wird zur lebendigen großstädtischen Promenade mit vielfältigen Angeboten und neuen Freiraumqualitäten. Vergleichbar ist dies mit den Boulevards der Ufer der norditalienischen Seen oder Kais entlang der Flüsse europäischer Metropolen.“

Lassen Sie uns gemeinsam danach streben was wir im Rahmenplan Innenstadt schon einmal vereinbart haben, statt unterschiedliche Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen, deren Konflikte in der schlechten Infrastruktur begründet sind, die wir ihnen zur Verfügung stellen. Wir werden der Prüfung zustimmen hoffen aber im Ergebnis vor allem zu hören, wie der Rahmenplan Innenstadt an dieser Stelle nun endlich umgesetzt werden soll. 

Kategorie

Reden