Sommerinterview mit Julia Mayer-Buch

Ein ausschlaggebendes Ereignis gab es in meinem Fall nicht. Poli­tik hat mich halt schon immer interessiert. Ich habe Politikwis­senschaften studiert, bin aber 2019 trotzdem erst relativ spät, zur Kommunalpolitik gekommen. Ich habe Politik immer aus ge­sellschaftlichem Interesse oder auch wissenschaftlichen Interesse wahrgenommen. Ein wichtiges Ereignis für mich war aber die EU Osterweiterung 2004. Damals studierte ich Europawissenschaften.

Was hat dich politisiert bzw. welches Ereignis hat dazu geführt, dass du dich entschieden hast für den Stadtrat zu kandidieren?

Ein ausschlaggebendes Ereignis gab es in meinem Fall nicht. Poli­tik hat mich halt schon immer interessiert. Ich habe Politikwis­senschaften studiert, bin aber 2019 trotzdem erst relativ spät, zur Kommunalpolitik gekommen. Ich habe Politik immer aus ge­sellschaftlichem Interesse oder auch wissenschaftlichen Interesse wahrgenommen. Ein wichtiges Ereignis für mich war aber die EU Osterweiterung 2004. Damals studierte ich Europawissenschaften.

 

Was ist dein politisches Herzensthema und warum sollten sich andere für dieses Thema interessieren?

Mein Wunsch ist es, dass Magdeburg urbaner wird. Ich denke wir sind noch ein bisschen zu sehr verhaftet in einer Provinzialität, sowohl wir gerade so einen großen Sprung nach vorne machen. Wir müssen deutlich stärker ressortübergreifend arbeiten, um daraus zu kommen. Ich bin ja als kulturpolitische Sprecherin, aber ich möchte die Stadtentwicklung immer allgemein sehen und auch soziale Themen mit einbringen.

 

Wie würdest du deine Politik in drei Worten beschreiben?

Urban, europäisch und für alle Menschen.

 

Was war dein größter Erfolg in den vergangen drei Jahren im Stadtrat?

Man geht mit einem gewissen Idealismus ran und stellt dann fest, dass Realpolitik ganz schön ernüchternd sein kann. Aber am An­fang habe ich mich sehr reingehängt bei der Novellierung der Förderrichtlinie Kultur. Das ist wieder so ein sperriger Begriff. Aber es geht um die Förderung der freien Kulturszene in Magdeburg. Dieses Instrument war vorher so bürokratisch und unflexibel. Ich habe mich da sehr reingehängt und ich glaube, dass ich damit schon viele Verbesserungen hingekriegt habe.

 

Bis zur nächsten Wahl sind es noch knapp 2 Jahre. Was willst du bis zum Ende dieser Wahlperiode noch unbedingt erreicht haben?

Einen Fokus auf die Neue Neustadt. Und ich möchte jetzt noch verstärkt mit meinem Stadtteil beschäftigen. Ja, ich lebe ja auch

in diesem Stadtteil und bin von den Bürgerinnen gewählt worden. Ich möchte hier mehr Urbanität, mehr Aufenthaltsqualität schaffen und besonders in das Moritzplatzquartier bringen.

 

Magdeburg 2050 ist…

Ich würde ja ganz gerne sagen, ist dann Kulturhaupt­stadt der Herzen. Vielleicht der Geheimtipp in Ost­deutschland. Ich blicke aber auch mit Sorgen in die Zukunft: der Klimawandel, der Krieg und auch die Intel Ansiedlung. Ich möchte das gerne als Chance sehen, aber es birgt auch Risiken.

 

Nimm uns mal mit: Wie sieht eine normale Woche bei dir aus?

Bei mir ist das dreigeteilt, Familie, Arbeit und die Tätigkeit im Stadtrat. Es kann sein, dass ich an drei Abenden in der Woche Ausschusstermine habe. Am Wochenende nehmen wir auch als Familie immer wieder gerne ein bisschen Kultur war. Am Samstag gehen wir zur Eu­ropean Breakdance Meister­schaft. Und unter der Woche ist es halt ganz klar erst mal Kinder zur Schule, dann arbe­iten von zuhause aus. Im Mo­ment als Freiberuflerin bleibt nicht so viel Raum für anderes.

 

2025 kommt immer näher. Aber Magdeburg wird in die­sem Jahr nicht Kulturhaupt­stadt sein. Hat sich die Bew­erbung trotzdem gelohnt?

Auf jeden Fall. Im Zuge dieses Prozesses haben wir super viele Sachen angestoßen. Wir haben die Kulturstrategie vollendet, an der wirklich viele mitgewirkt haben. Wir haben auch einige Infra­strukturprojekte auf den Weg gebracht. Die Sanierung der Stadthalle, das Technikmuseum und vieles mehr. Und last but not least, hat die Bewerbung zu einem Zusammenschluss der freien Kultur geführt.

 

Welche deiner Ansichten hat sich seit deiner Wahl verändert und warum?

Man kommt doch schon auf dem Boden der Realität an. Man sieht halt wie viel Zeit manche Dinge brauchen. Manche Sachen werden beschlossen, verschwinden aber irgendwie in der Versenkung. Und man muss sich auch immer wieder daran erinnern. Die Zeiten sind ja auch im Stadtrat so schnelllebig.

 

Was hat die Magdeburg Kulturszene, was andere Städte nicht haben und was fehlt ihr noch?

Was wirklich schön ist, dass die freien Träger jetzt doch auch diesen Schulterschluss gewagt haben und als Netzwerk zusammenarbeiten. Ich weiß nicht, ob das überall so ist. Dadurch befruchtet man sich auch ein stückweit gegenseitig. Abseits davon können wir uns als Großstadt derzeit nicht mit vielen Städten vergleichen. Wir könnten noch mehr Freiräume für stu­dentische Kultur oder Subkulturen schaffen.

Die Covid-19 Pandemie war in den vergangen zwei Jahren eine große Herausforderung für den Kulturbe­trieb.

 

Die Covid-19 Pandemie war in den vergangen zwei Jahren eine große Herausforderung für den Kultur­betrieb. Beobachtest du, dass sich die Kultur 2022 wieder erholt?

Die Kultureinrichtungen waren ja sehr lange geschlos­sen. Aber wenn man sich jetzt in der Stadt umguckt, sie­ht man so viele Angebote, die gerade aktuell laufen, im Besonderen von den freien Kulturträgern. Sie haben sich nicht unterkriegen lassen. Wir als Stadträtinnen und auch die Verwaltung haben natürlich auch finanziell unterstützt, wo es ging. Aber die Leute kommen jetzt ein bisschen langsamer zurück in die Kultur. Wahrscheinlich muss man dranbleiben und neue Formate entwickeln. Ir­gendwas hat sich verändert, scheinbar auch dauerhaft.

 

Theater oder Festival

Theaterfestival

 

Buch lesen oder Film schau­en.

Momentan eher Film schau­en. Gerne hier im Studiokino.

 

Moritzplatz oder Nikolaiplatz?

Moritzplatz.

 

Gibt es denn auch eine kommunalpolitische Nieder­lage, über die du dich heute noch ärgerst?

Mein Bäderantrag ist schon ziemlich krass gescheit­ert. Es war mein Ansinnen, die Bäderordnung und die Entgeltordnung flexibler zu gestalten. Vor allem im Sommer bin ich auch gerne mit der Familie in den Freibädern und habe mich gewundert, dass die Öff­nungszeiten so kurz sind. Ich bin damals aber auf keine positive Resonanz gestoßen. Mittlerweile ärgert mich das nicht mehr. Mit Corona und so können wir aktuell froh sein, dass die Bäder wieder ganz normal öffnen können.

 

Was machst du in deiner Freizeit wenn du gerade mal nicht Politik machst?

Gerade die Stadträt*innen mit Familie haben es nicht ganz einfach. Die Zeit ist immer knapp. Letztendlich bin ich froh, wenn ich auch mal Zeit für mich persönlich habe. Ich entspanne gern mal beim Yoga oder schaue wo ich meine Familie am Wochenende mit hinnehmen kann und bin sehr gerne in Theater und Kino unter­wegs. Einen Hund haben wir auch noch. Im Moment unterstützen wir auch noch ukrainische Geflüchtete. Also langweilig wird mir eh nicht und ich muss eher gu­cken, wie ich das alles unterbringe.

 

Welches Magdeburger Kulturprojekt hat dich in den letzten Jahren persönlich am meisten beeindruckt?

Was man hier im Utopolis Projekt am Moritzplatz gemacht hat, das fand ich schon spitze. Im Prinzip bespielt es dieses ganze Quartier mit diversen Aktionen und schafft viel für Kinder und Jugendliche. Das ist toll, weil der Bedarf hier einfach riesig ist. Und bei den institutionellen Einrichtungen war es das Blickwechsel Festival im Puppentheater. International und von höch­ster Qualität.

 

Die Neue Neustadt ist unglaublich vielfältig. Welcher Ort in deinem Wahlkreis ist dein Liebster?

Der Moritzplatz. Ich finde es ganz schön, dass man hier auch entspannen kann. Ich liebe persönlich die Kon­traste in der Neuen Neustadt. Deswegen finde ich es auch cool, dass man auf der einen Seite des Sees eine schöne Landschaft hat und auf der anderen die Hoch­häuser. Es gibt noch viele Ecken, die noch nicht en­twickelt sind, an denen ich immer gleich denke: “Oh ja, das hat Potenzial.” Alte abgewrackte Industriegebäude, aber auch denkmalgeschützte Ecken und Neubauten. Es wäre cool, wenn man ein Mischformen von Leben, kreativem Arbeiten und Unternehmenskultur entwick­eln würde. Auch wenn ich am alten Brauereigebäude, im Grenzbereich zwischen Neuer Neustadt und Alter Neustadt vorbeikomme, könnte ich ins schwelgen kommen. Was könnte da alles Tolles entstehen.

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Personen Presse Reden