A0008/21: Kulturlandschaft sichern und Open-Air-Kultur ermöglichen

Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt und der Bundesregierung für eine stärkere, sofortige, finanzielle und strukturelle Unterstützung der durch die Corona-Pandemie besonders...

08.02.21 –

Der Stadtrat möge beschließen:

  1. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, sich gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt und der Bundesregierung für eine stärkere, sofortige, finanzielle und strukturelle Unterstützung der durch die Corona-Pandemie besonders stark betroffene Veranstaltungs- und Kulturbranche einzusetzen.

  2. Der Oberbürgermeister wird beauftragt, unverzüglich in den Austausch mit den Akteur*innen der Kultur- und Kreativwirtschaft, wie unter anderem dem Bündnis Freie Open-Airs [1], Magdeburger Vertreter*innen der Clubwirtschaft Sachsen-Anhalt [2], dem Kulturschutzbund Magdeburg, der Love-Foundation Magdeburg, dem Kulturhauptstadt-Team unter Mitwirkung des Kulturamtes, des Ordnungs-, des Bauordnungs- und des Gesundheitsamtes sowie des Eigenbetriebes Stadtgarten und Friedhöfe sowie dem Wirtschaftsdezernat zu treten.

    Dabei sollen die Ermöglichung und Durchführung von Open-Air-Veranstaltungen im Mittelpunkt stehen. Geeignete städtische und private Flächen für die Nutzung als coronakonforme temporäre Open-Air-Kulturspielstätten - insbesondere auch Parkflächen - sollen identifiziert und benannt und für den Zeitraum Frühling bis Herbst 2021 für möglichst viele Akteur*innen nacheinander freigegeben werden.

    In Zusammenarbeit sollen ein Kriterienkatalog sowie eine Infrastruktur entwickelt werden. Hier sollen Fragen zu Lärmschutzauflagen, Beschränkungen der Teilnehmer*innenzahl, Medienan-schlüssen, Sanitär, Abfall- und Hygienekonzept für alle transparent entwickelt und zur Verfügung gestellt sowie beantragt werden. Um Synergien herzustellen, wird die Infrastruktur am Anfang geschaffen und allen ggf. gegen einen Obolus zur Verfügung gestellt.

  3. Der Stadtrat bekennt sich umfassend zum Erhalt der Magdeburger Club-, Sozio-, Sub- und Open-Air-Kultur und unterstützt die Bestrebungen zur Änderung der Baunutzungsverordnung, die eine Neueinordnung von Clubs und sonstigen Kulturorten dieser Art in die Kategorie der „Anlagen für kulturelle und sportliche Zwecke“ (bisher „Vergnügungsstätten“) zum Ziel haben.

  4. Sofern von Magdeburger Kulturschaffenden ein Förderantrag für das NEUSTART-KULTUR-Förderprogramm [3]: Kleinst-, Eintages- und "Umsonst & Draußen"-Musikfestivals sowie ähnlichen Programmen gestellt wird, sollte die Landeshauptstadt Magdeburg mit den oben genannten Ämtern und dem Eigenbetrieb die Durchführung und Antragsstellung unterstützen. So sollte der Eigenanteil über das Kulturamt z. B. über die Plan B-Mittel der Kulturstrategie finanziert werden. Bei negativem Förderbescheid soll im Einzelfall geprüft werden, ob ggf. eine Vollfinanzierung durch das Kulturamt möglich wäre.

  5. Um die Antragsstellung sowie die intensive Zusammenarbeit mit den Veranstaltungs-akteur*innen zu gewährleisten, sind die Stunden ggf. auch eine Stelle beim Kulturbüro (ggf. mithilfe von Angestellten aus dem Kulturhauptstadtbüro) aufzustocken.

Begründung:

Die Corona-Pandemie hat in erhöhtem Maße die Kultur- und Veranstaltungsbranche getroffen. Hier muss schnell gehandelt werden, damit insbesondere die freie, subkulturelle Szene nicht mühsam 2022 wieder neu aufgebaut werden muss. Die Menschen in diesen Branchen stehen derzeitig vor dem finanziellen Aus und orientieren sich leider langsam um.

Gleichzeitig muss Magdeburg weiterhin attraktiv für junge Menschen bleiben. Insbesondere freie Open-Airs, Raves und unkommerzielle Festivals, aber auch die Club- und Kneipenkultur haben viel in der Vergangenheit für die Beliebtheit Magdeburgs bei den Auszubildenden, Studierenden und jungen Berufstätigen beigetragen. Als Beispiel zu nennen sind die Open Airs im Stadtpark, die vom Studiengang Cultural Engineering unkommerziellen Festivals wie z. B. das Upgrade-, die Insel-, aber auch das von Studierenden organisierte Vakuum-Festival. Temporäre, etablierte und Pop-Up-Veranstaltungsorte wie die Datsche, der Klub Elektrik, Triebwerk der Geheimklub und die Insel der Jugend sind ebenfalls beliebte Magneten für Magdeburg als Schwarmstadt, also als Stadt, die für junge Menschen attraktiv ist und junge Menschen, insbesondere aus den ländlichen Regionen, anzieht, ähnlich wie es Leipzig oder Berlin tun.

Die Corona-Pandemie sorgt aktuell dafür, dass die Einschreibezahlen für Studierende in ganz Sachsen-Anhalt sinken. In Sachsen-Anhalt haben im Sommersemester 2020 rund 41 Prozent weniger Menschen ein Studium aufgenommen als im Vorjahr. Insbesondere die OVGU Magdeburg, aber auch die Hochschule Magdeburg-Stendal, ist davon betroffen. Auch müssen vermehrt Betriebe Auszubildende pandemiebedingt bzw. durch pandemiebedingte Insolvenzen entlassen. Gleiches gilt für den Bereich der Praktikant*innen und Freiwilligendienstleistenden.

Junge Menschen sind auf eine besondere Art und Weise von der Corona-Pandemie betroffen. Sie zählen, vorausgesetzt sie haben keine Vorerkrankung, nicht zur Risikogruppe und werden als allerletztes, wahrscheinlich erst Ende 2021, geimpft. Gleichzeitig sind es Altersgruppen, welche in besonderem Maße in der Freizeit gerne und normalerweise viel Freund*innen treffen, feiern und auch im Kultur- und Veranstaltungsgewerbe jobben. All das fällt momentan weg.

Durch einen coronasicheren Open-Air-Veranstaltungsbereich, gepaart mit strengen Corona-Maßnahmen wie Schnelltests und Abständen, kann jungen Menschen, aber auch den Kulturtreibenden, in der warmen Jahreszeit ein Kultur- und Veranstaltungsbetrieb ermöglicht werden. Dieser Antrag kommt sowohl den Kulturtreibenden, jungen Menschen, aber auch allen, die sich nach etwas Musik, Kunst und Kultur sehnen und verantwortlich mit der Corona-Situation umgehen, zugute.

Mit nur wenigen Mitteln und viel Synergien kann einfach und sicher eine temporäre Open-Air-Kulturstätte entstehen, die von verschiedenen Kulturtreibenden genutzt werden. Alles unter dem Vorbehalt, dass verschiedene Abteilungen der Stadtverwaltung (Ordnungsamt, Gesundheitsamt, Kulturamt, Bauordnungsamt) und die Kultur- und Clubszene intensiv zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen.

[1] https://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/open-air-buendnis-freie-kultur-unter-freiem-himmel
[2] https://www.facebook.com/Clubs.LSA
[3] https://www.initiative-musik.de/neustart-kultur/festivals

Madeleine Linke
Fraktionsvorsitzende GRÜNE/future!

Olaf Meister
Fraktionsvorsitzender GRÜNE/future!

Vorläufiges Ergebnis:

Wiedervorlage:

Ergebnis:

Stadtratssitzung 22.02.2021: geändert (ohne Punkt 5) beschlossen

Kategorie

Angenommen! | Antrag | Kultur | Region Magdeburg